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Azubi am FRM II trifft ins Schwarze

17.02.2016


Bei den Deutschen Meisterschaften für Druckluftwaffen im September 2015 hat Lea Kleesattel den vorläufigen Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere erreicht: Sie stand in München als Deutsche Meisterin auf dem Siegertreppchen. v. l. n.r. Andrea Heckner, Lea Kleesattel, Jessica Schrader (Foto: BSSB)

17.02.2016

Im September 2015 hat Lea Kleesattel als Auszubildende für Fachinformatik (Anwendungsentwicklung) am FRM II begonnen. Sie wollte immer schon „was mit Computern“ machen und hat bereits in der Schulzeit „ein bisschen herumprogrammiert“, wie sie selbst ihren Berufswunsch erklärt. Inzwischen hat sie sich am FRM II gut eingelebt und die Ausbildung macht ihr großen Spaß. Obwohl sie von ihrem Heimatort Langenpreising täglich eine dreistündige An- und Abfahrt hat, ist das nur ihr halbes Leben.  

Im anderen Leben ist Lea Kleesattel Leistungssportlerin und hat dort in den letzten fünf Jahren eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Mit 12 Jahren trat sie ihrem heimischen Schützenverein bei, ab diesem Alter darf man mit Luftpistole oder -gewehr schießen. Mit der Luftpistole hat sie angefangen und kletterte damit alle paar Monate einen weiteren Schritt auf der sportlichen Karriereleiter hinauf. Mit 13 hat sie das erste Mal an der Deutschen Meisterschaft im Luftpistolenschießen teilgenommen. 2014 belegte die damals 15jährige Schülerin den 2. Platz und wurde Vizemeisterin, 2015 folgte dann der Gewinn des deutschen Meistertitels; inzwischen schießt sie nicht mehr nur mit der Luftpistole, sondern auch mit der Sportpistole. Kein Wunder, dass auch die Talentsucher und Trainer der Nationalmannschaft auf sie aufmerksam wurden und sie im letzten Monat in den C-Kader, also zu den Nachwuchssportlern, holten. Am nächsten Wochenende geht es nach Györ/Ungarn, wo vom 23.-27. Februar die Europameisterschaft für Druckluftwaffen stattfindet; Lea Kleesattel wird dabei sein. Nach ihren Chancen gefragt, rechnet sie lange und gibt dann das Ergebnis samt Erläuterung bekannt: „Ich habe ja in diesem Jahr schon an einem internationalen Wettbewerb teilgenommen und die Konkurrenz beobachten können. Wenn ich die Form von da halten kann, dann müsste ich unter die ersten 15 kommen.“  

Wie schafft sie das alles: Training im eigenen Verein, Nationalmannschaft, zusätzliches Ausdauer- und Krafttraining, Wettkämpfe und nicht zuletzt auch die anspruchsvolle Ausbildung am FRM II? Lea trainiert einmal pro Woche im eigenen Verein, geht zum Laufen und ist durchschnittlich jedes zweite Wochenende entweder beim Training der Nationalmannschaft in Suhl/Thüringen oder bei den so genannten Ranglistenwettkämpfen, denn beweisen muss sich jeder Schütze dauernd. Ihre Ausbildungsstelle am FRM II hat sie erst vor fünf Monaten angetreten, aber bereits zwei Mal Urlaub beantragt: „Diesen Urlaub brauchte ich für die Europameisterschaft, denn die geht über fünf Tage und leider nicht ausschließlich am Wochenende. Und bei dem internationalen Wettbewerb im Januar hatte ich Glück und musste nur ein paar Stunden nehmen, denn der fand auf der Olympiaschießanlage in Hochbrück statt.“ Gut, dass man am FRM II die Regeln für Urlaub in der Probezeit großzügig auslegt, aber wer hat schon eine echte Leistungssportlerin in der Mannschaft, die ihren Erholungsurlaub so nutzt? Welche Eigenschaften braucht eigentlich ein Schütze? Das beantwortet Lea „wie aus der Pistole geschossen“: „Konzentration, Ehrgeiz, Teamgeist und man muss mental stabil sein, um dem Leistungsdruck standhalten zu können.“  

Bei so viel Talent und Einsatz ist ja vielleicht eine Teilnahme an der Olympiade nicht unrealistisch, was die 17Jährige bescheiden kommentiert: „Das wäre schon mal ganz nett“. Dabei sein ist alles, aber für 2020 in Tokio wird sie sicher den ganzen Jahresurlaub auf einmal einsetzen müssen. Wir drücken ihr die Daumen!