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Zum Tod von Prof. Lothar Köster am 7. September 2015

10.09.2015


Lothar Köster war von 1960 bis 1987 Technischer Direktor des FRM.

10.09.2015

Kurz vor seinem 93. Geburtstag ist Prof. Dr. Lothar Köster am 7. September 2015 in Garching verstorben. Der Physiker war 27 Jahre lang – von 1960 bis 1987 – Technischer Direktor des ersten deutschen Forschungsreaktors München(FRM). Die Forschungs-Neutronenquelle ist ihm deshalb zu großem Dank verpflichtet und teilt die Trauer seiner Familie.

Lothar Köster wurde am 19. Oktober 1922 in Essen geboren und studierte zunächst in Heidelberg Physik. Nach seiner Promotion 1953 bei Heinz Maier-Leibnitz und Walter Bothe mit einer Arbeit aus der Kernphysik ging er für kurze Zeit als Abteilungsleiter in das Isotopenlabor der damaligen Farbenfabrik Bayer. Bei seinem Doktorvater hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn bereits 1958 rief ihn Maier-Leibnitz, der damals wissenschaftlicher Leiter des FRM war, nach Garching. Unter Kösters Leitung entstand eine effektive Betriebs- und Organisationsform am FRM, die einerseits den auch damals hohen Sicherheitsanforderungen genügte und andererseits die Wünsche der Forscher nach möglichst viel wissenschaftlicher Freiheit erfüllte. Da der FRM die erste kerntechnische Anlage in Deutschland war, gab es keinerlei Vorbild, auf das er zurückgreifen konnte. Stattdessen wurden der Betrieb und die wissenschaftliche Nutzung unter seiner Ägide zum Vorbild für andere Forschungsreaktoren, die kurz danach gebaut wurden. In den 80er Jahren entstand unter seiner Leitung die Konverteranlage am FRM, die hauptsächlich der Strahlentherapie von oberflächennahen Tumoren mit schnellen Neutronen diente. 1987 erhielt Köster das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.  

Lothar Köster war ein Physiker aus Leidenschaft: Er baute beispielsweise das erste Schwerkraftrefraktometer auf, das die weltweit genaueste Bestimmung der Wechselwirkungen zwischen Neutronen und Protonen, Deuteronen und Elektronen erlaubte und ihm internationale Anerkennung einbrachte. Seine Präzisionsmessungen zu kohärenten Streulängen und totalen Wirkungsquerschnitten für monoenergetische epithermische Neutronen dienten als grundlegende Daten für alle Streuexperimente und zum Test von Theorien zur statistischen Verteilung von Resonanzen. Seine guten internationalen Kontakte führten schon früh zum ersten wissenschaftlichen Austausch nach dem Krieg mit der damaligen UdSSR.  

Neben seiner Tätigkeit als Betriebsleiter des FRM, für den die Mitarbeiter immer oberste Priorität hatten, hat er sich als außerordentlicher Professor am Physik-Department der Technischen Universität München außerdem große Verdienste um die Lehre erworben, mehrere Fachbücher geschrieben und mehr als 80 Doktoranden promoviert. Interessiert und fasziniert hat ihn die Physik immer – auch lange nach seinem Ruhestand hielt er engen Kontakt zum FRM II und zum Physik-Department; große Freude hat ihm auch das wissenschaftliche Kolloquium gemacht, zu dem der FRM II zu seinen Ehren aus Anlass des 80. Geburtstags eingeladen hat.