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Erfolgreicher Betrieb eines Atomreaktors

Neben einer umfangreichen Forschungstätigkeit stehen vier Jahrzehnte unfallfreien Reaktorbetriebes. An den Forschungsreaktor wurden von den Wissenschaftlern stets hohe Anforderungen gestellt. Die verschiedenartigsten Experimente erforderten eine flexible Anlagentechnik und große Fähigkeiten des Betriebspersonals.

Das Zusammenwirken von allen Beteiligten, den Wissenschaftlern, der Betriebsmannschaft und den Aufsichtsbeamten funktionierte einwandfrei. Die Sicherheit des Reaktors hatte immer Priorität. Es war ein großes Verdienst aller Beteiligten, daß nicht ein einziges sinnvolles Experiment aus Sicherheitsgründen abgelehnt oder unmöglich gemacht werden mußte.

Jeder Mitarbeiter der Betriebsmannschaft war sich seiner eigenen Verantwortung bewußt. Sein Wissen und sein Können, seine öbersicht und seine Zuverlässigkeit waren die Garanten für den sicheren Betrieb. Dienlich waren einschlägige Arbeitsvorschriften, die laufend angepaßt wurden. Die behördlichen Auflagen und Forderungen des ersten Genehmigungs- bescheides haben dieses System der Eigenverantwortung gestützt und gerechtfertigt. Sie sicherten den Vollzug des Bundesatomgesetzes (Dezember 1959) und der jeweiligen Strahlenschutzverordnung. Außerbetriebliche öberprüfungen wurden von Fachleuten des TÜV Bayern durchgeführt.

In der ersten Jahreshälfte 1958 wurden umfassende Messungen und Untersuchungen bei niedriger Leistung durchgeführt und das künftige Personal ausgebildet. Am 10./11. Juli 1958 konnte die erste Operateurprüfung stattfinden, die vom Leiter der Reaktorstation, Dr. Pollermann, abgenommen wurde. 10 Prüflinge, darunter fünf Operateure, drei Wissenschaftler und zwei Gäste (ein Mitarbeiter des Bayernwerkes und ein italienischer Atomphysiker), unterzogen sich erfolgreich der theoretischen und praktischen Prüfung. Sie erhielten den begehrten "Atom-Führerschein", der nur in Garching Gültigkeit hatte, da jeder Reaktor andere Betriebsbedingungen aufweist. Die künftigen Operateure hatte Dr. Pollermann aus zwei Dutzend Bewerbern ausgesucht.146 Im Juli wurde auch erstmals die Nennleistung von 1 MW gefahren.

Konstruktions- und Betriebsdaten (1957)

Brennstoff: 20 % angereichertes 235U, (3,18 kg 235U)
Leistung: 1 Megawatt (Wärme)
Brennstoffelemente: UAl4 + Al-Legierung
Gitter: 54 Löcher in einem 6 x 9 Raster angeordnet
Flußdichte: 6,6 x 1012 n/cm2 sec. (Durchschnitt)
Moderator: H2O
Reflektor: H2O (ab 1982 Beryllium)
Abschirmung: H2O, Blei, Barytbeton und Normalbeton
Kühlsystem: Primäres System - Wärmeaustauscher,
Sekundäres System - Brunnenwasser
Wasserreinigung: Laufende Entsalzung eines Teils des primären Systems an der Pooloberfläche
Kontrolle: Borkarbid-Sicherheitsstäbe, Regelstäbe aus rostfreiem Stahl
Experimentelle
Einrichtungen:
Sechs 6-Zoll Strahlrohre
ein quadratisches 12-Zoll Strahlrohr
ein durchgehendes 4-Zoll Rohr
zwei schräg angeordnete Strahlrohre
eine thermische Säule, 4x4 Fuß