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Broschüre 40 Jahre Atom-Ei zum Download

40 Jahre Atom-Ei

"Die Zeit ist selbst ein Element", sagte schon Goethe. Die Zeit läuft stets vorwärts, niemals rückwärts. Ein Stück Zeitgeschichte, ein Zeitdokument der Technikgeschichte soll diese Broschüre zum 40jährigen Bestehen des Forschungsreaktors München (FRM) sein.

Das nach seiner auffälligen Form benannte Garchinger "Atom-Ei", nahm am 31. Oktober 1957 seinen Betrieb auf. Es war die erste nukleare Anlage in Deutschland, und sie war der damaligen Technischen Hochschule München zugeordnet. Schon bald wurde das Atom-Ei zum Wahrzeichen der Kernforschung schlechthin und zu einem weit leuchtenden Bild vom Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg.

Was noch heute überrascht, ist die sehr kurze Genehmigungsphase und Bauzeit. In weniger als einem Jahr nach Baubeginn konnte der Reaktor damals seiner Bestimmung übergeben werden. In einem einzigartigen Schnelldurchlauf ging alles über die Bühne. Ausschlaggebend war, daß die Physiker Heisenberg und Maier-Leibnitz die damals politisch Verantwortlichen - in Bonn Franz Josef Strauß als Bundesatomminister - von der Notwendigkeit des Projektes überzeugen konnten, um Deutschland wissenschaftlich-technisch nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen.
Eine Pionierleistung ohne Beispiel. Der anfängliche Elan ist bis heute spürbar. Ganz nach dem Aristoteles-Motto: "Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen." Stillstand gab und gibt es nicht in Garching. Geistiger Vater des Garchinger Atomeis ist Professor Dr. Heinz Maier-Leibnitz, der Nestor der deutschen Neutronenphysik.

Der Garchinger Forschungsreaktor wurde zur Keimzelle für den heutigen modernen Campus der Technischen Universität München vor den Toren der Landeshauptstadt. Im Reaktor Garching haben bahnbrechende Forschungen in der Physik, Chemie und Biologie ihren Ausgang genommen. Die Gar-chinger Neutronenforschung hat weltweit Anerkennung gefunden. Generationen namhafter deutscher und ausländischer Physiker diente die Garchinger Forschungsstätte zur Ausbildung und zur Forschung und friedlichen Nutzung der Atomenergie.

Diese Tradition soll fortgesetzt werden und einen neuen Kulminationspunkt im Forschungsreaktor FRM-II finden, der den neuesten Anforderungen entspricht und wie einst der FRM internationale Maßstäbe setzten wird. Eine Offensive für die Zukunft von Wissenschaft und Forschung. "Das Wesen der Geschichte ist der Wandel", sagte der Historiker Jacob Burckhardt. Die Neutronenforschung Garching wird konsequent weiterentwickelt. Forschung kennt keinen Endpunkt. Diese Broschüre will keine Retrospektive unter kernphysikalischen Aspekten sein. Wohl aber will sie Antwort auf die Frage geben: Unter welchen Bedingungen ist das Garchinger Atom-Ei entstanden? Wie war die Ausgangslage, wie war die weitere Entwicklung? Was wird in Zukunft sein? In Garching wurde Kernphysik- Geschichte geschrieben. Nun soll in einfacher, allgemein verständlicher Darstellung, bei der der Mensch und nicht die Technik im Vordergrund steht, die Geschichte des Forschungsreaktors in Garching ganz unter dem Blickwinkel des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard geschrieben werden: "Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden".

Hermann

Und auch dies wird aus der Broschüre deutlich: So wie der Forschungsreaktor eine Quelle für Neutronen ist, gab das Garchinger Atom-Ei nicht nur der Region positive Impulse für die Wissenschaft, für die Wirtschaft und vor allem für die Menschen, die hier arbeiten und leben. Aufgrund der Erfahrungen am FRM wurde die bis heute weltbeste Hochflußneutronenquelle in Grenoble (Frankreich) konzipiert. Garching hat mit seinem For- schungsreaktor das Dorfleben geöffnet und ist zugleich gewachsen und dadurch zur Universitätsstadt geworden. Die Stadt Garching ist auch weit über die Landesgrenze hinaus zum Begriff geworden: zum Begriff für Wissenschaft und Forschung auf höchstem Niveau, zum Begriff für Innovation und Zukunftsorientierung. Diese Broschüre ist Rückblick und Ausblick zugleich. Es ist eine Lebensweisheit: Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er gehen soll.

40 Jahre Garchinger Forschungsreaktor! Schließlich ist Geschichte die geistige Form, in der eine Kultur über ihre Vergangenheit Rechenschaft abgibt, um Impulse für die Zukunft zu gewinnen.

Viel Gewinn bei der Lektüre dieses Zeitdokuments!

signatur
Professor Dr. Wolfgang A. Herrmann
Präsident der Technischen Universität München