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Neutronenleiter

Konventionelle Strahlrohr können zwei Nachteile aufweisen: Störender Untergrund kann durch die Strahlführung am Kollimator nicht verbessert werden und bei Strahlführung über große Entfernungen wird die Strahldivergenz und damit die Intensität so klein, daß in Abhängigkeit vom Experiment lange Meßzeiten notwendig werden.
Beide Nachteile werden vermieden, weitere Vorteile erzielt, wenn für die Strahlführung Neutronenleiter eingesetzt werden.

Neutronenleiter sind Rohre, in denen besonders langsame Neutronen durch Reflexion an den Innenwänden über Strecken von mehr als 100 m vom Reaktor weggeführt werden können:

  • Die Reflexion kann entweder über das Phänomen der Totalreflexion in einer dünnen Schicht von Nickelmetall (besser isotopenreines 58Ni)
  • oder über Interferenzen an komplex aufgebauten Vielfachschichten (Super-Spiegel) erreicht werden.

Die Reflexionsschichten werden auf sehr glatte und ebene Glasplatten aufgebracht, die zu rechteckigen Rohren zusammengebaut werden, deren Querschnitte im Bereich einiger Quadratzentimeter liegen.

Thermische und kalte Neutronen werden bei streifendem Einfall unter einem Winkel von etwa einem Grad reflektiert und bleiben im Neutronenleiter, während die von der Quelle kommende Untergrundstrahlung an den Wänden aus dem Strahlengang gestreut wird. Das Signal-Untergrund-Verhältnis wird deshalb entlang eines Neutronenleiters immer günstiger.
Durch Krümmung (typischer Radius einige Kilometer) können bei hinreichender Länge des Neutronenleiters (20m bis 50m) der vom Reaktorkern kommende Untergrund vollständig ausgefiltert und höherenergetische Anteile des Neutronenspektrums unterdrückt werden. Die Divergenz der aus dem Leiter austretenden Neutronen ist nicht mehr von dessen Länge und Querschnitt, sondern nur vom Spiegelbelag abhängig und erfüllt im allgemeinen recht gut die aus einer Spektrometeroptimierung resultierenden Anforde-rungen.

Eine moderne Neutronenquelle mit allen notwendigen und geforderten Sicherheitseinrichtungen ist eine teure Einrichtung, deren Quellstärke allenfalls mit unverhältnismäßig hohem Aufwand erhöht werden könnte.

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Verbaubarer Neutronenleiter
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Das beschichtete Glas des Neutronenleiters kann Neutronen mehr als 100m vom Reaktor wegführen.

Unter diesen Randbedingungen bildet der Einsatz von Neutronenleitern in einem optimierten Strahlführungssystem die beste Voraussetzung für eine effiziente Nutzung des Forschungsreaktors FRM II.

Am FRM II ist primär ein System von sechs Neutronenleitern geplant, die dicht an der Kalten Neutronenquelle beginnen und die Neutronen zu den Instrumenten in der externen Neutronenleiterhalle mit ca. 56m x 25m experimenteller Nutzfläche führen. Bei Bedarf kann durch Verlängerung einzelner Leiter zusätzlich Platz für Experimente in der Halle des alten Reaktors FRM I erschlossen werden.

In die meisten der großzügig dimensionierten Strahlrohre können weitere Leitersysteme eingebaut werden. Durch die Erschließung von Experimentierfläche in größerem Abstand vom Reaktorbecken durch Neutronenleiter wird das Nutzungspotential einer modernen Neutronenquelle wesentlich erhöht.

Die sechs primären Neutronenleiter werden eine Höhe zwischen 110mm und 170mm und eine Breite zwischen 40mm und 70mm aufweisen. Die Querschnitte sind damit groß genug für eine Mehrfachnutzung der Leiter mit einer vertikalen oder horizontalen Strahlaufteilung. Mit Hilfe der Neutronenweichen wird eine Vielzahl der sehr wertvollen endständigen Neutronenleiterplätze geschaffen, bei denen keine Störungen des Neutronenspektrums durch vorgelagerte Instrumente und keine räumlichen Beschränkungen zugunsten nachgelagerter Instrumente in Kauf genommen werden müssen.

Ein weiteres Element der Strahlführung, das am FRM II eingesetzt werden soll, ist die Neutronentrompete, ein Neutronenleiter, dessen Querschnitt von einem Ende zum anderen zunimmt.
Bei hinreichender Länge wird dabei ein kleinflächiger Neutronenstrahl mit großer Divergenz in einen großflächigen Strahl mit kleinerer Divergenz transformiert, der für hochauflösende Radiographie und Tomographie mit Neutronen interessant wird.
In umgekehrter Richtung eingesetzt und mit richtig gewähltem Spiegelmaterial belegt, können mit diesem Fokussierer auf kleineren Probenflächen höhere Neutronenflüsse erzielt werden.

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Vertikale Aufteilung des Neutronenstrahls.
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Horizontale Aufteilung des Neutronenstrahls.