Ein Tag als Forscherin

„Was würde passieren, wenn man im Reaktorbecken schwimmt?“, „Wie viel Wasser ist dort überhaupt drin?“ Diese und viele weitere Fragen der neugierigen Besucherinnen im Alter von 12 bis 15 Jahren beantwortete Veronika Reich, Doktorandin des Helmholtz-Zentrum Hereon am Heinz Maier-Leibnitz Zentrum.
Wie vielseitig die Forschung mit Neutronen ist, zeigte FRM II-Pressereferentin Anke Görg in ihrem Vortrag: Sie erklärte, wie Neutronen dabei helfen, Gründe für die Korallenbleiche besser zu verstehen, Satellitendüsen aus dem 3D-Drucker zu verbessern oder spezielle krebsbekämpfende Enzyme im Körper zu verstehen.
Blick in die „Black Box“
Wie schaut man in einen Gegenstand hinein, ohne ihn zu öffnen? Beim Experiment „Black Box“ wurden die Mädchen selbst zu Forscherinnen. Mit Holzspießen ertasteten sie verborgene Objekte in einer Box und übertrugen die Tiefe in ein Koordinatensystem.
So probierten sie spielerisch das Grundprinzip der Neutronenforschung, bevor es zur echten Anlage ging: Aus 17 Metern Höhe warf die Gruppe einen Blick durch das Besucherfenster direkt in das Reaktorbecken, das übrigens 700m³ vollentsalztes Wasser fasst, wie Veronika Reich den künftigen Forscherinnen sagte.

Und Schwimmen im Reaktorbecken „ist natürlich nicht erlaubt“, erklärte die Doktorandin, man ist aber im Fall eines sehr unwahrscheinlichen Sturzes über die Brüstung durch das viele Wasser vor der radioaktiven Strahlung geschützt und kann mit einem der zahlreichen Rettungsringe aus dem Becken wieder herausgezogen werden.
Blaue Leiter und unsichtbare Strahlung
In der nächsten Station, der Neutronenleiterhalle West, staunten die Teilnehmerinnen über die vielen High-Tech-Kabel und die markanten blauen Leiter, durch die die Neutronen zu den wissenschaftlichen Instrumenten gebracht werden.
Den Abschluss bildete der Besuch im Chemielabor bei Tabea Bartelt, Chemisch-Technische Assistentin am FRM II. Die Mädchen durften selbst in die schweren Handschuhe der mit Argon gefüllten Handschuhbox schlüpfen und mit dem Geigerzähler die natürliche Strahlung von Alltagsgegenständen wie Granit oder alten Uhren messen.
Formel für die Zukunft

Neben Einblicken in die Forschung mit Neutronen gab es zum Abschluss noch eine Formel für den Weg in die Wissenschaft: Bachelor + Master + Promotion. Wer später selbst als Wissenschaftlerin an einem Instrument der Forschungs-Neutronenquelle arbeiten möchte, benötigt in der Regel ein naturwissenschaftliches Studium, etwa in Physik, Chemie oder Biologie, und vertieft seine Expertise anschließend in einer Promotion. Gleichzeitig wurde beim Besuch des Chemielabors deutlich, wie vielfältig die Wege in die Forschung sind: So macht man zur Chemisch-Technischen Assistenz (CTA) eine Ausbildung, die in der Regel zwei Jahre dauert und eine praxisnahe Tätigkeit im Labor ermöglicht.
„Wissenschaftler ist kein typischer Männerjob, sondern für alle etwas. Deswegen sollte jeder die Chance haben, das zu machen, was er oder sie möchte“, sagte eine der Schülerinnen und brachte damit auf den Punkt, was der Girls’ Day vermitteln will.
Das vielseitige Programm am FRM II zog sogar das Interesse eines regionalen Fernsehsenders auf sich: Hier geht es zum Beitrag von Sat.1 Bayern.





