Genehmigung der Bestrahlungsanlage zur Produktion von Molybdän-99

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Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat die Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Bestrahlungsanlage für Urantargets zur Produktion von Molybdän-99 erteilt. Der FRM II in Garching kann damit künftig einen großen Teil des europäischen Bedarfs für dieses wichtige Krebsdiagnostikmittel decken.

Weltweit werden jährlich mehr als 30 Millionen medizinische Untersuchungen mit der radioaktiven Substanz Technetium-99m zur Diagnose von Tumoren durchgeführt. Einen großen Anteil - etwa drei Millionen Untersuchungen - daran hat Deutschland. Zur Herstellung von Technetium-99m wird zunächst Molybdän-99 benötigt. Dieses kann international in nur wenigen Forschungsreaktoren (vier in Europa sowie jeweils einer in Afrika und Australien) hergestellt werden, es kommt deshalb seit Jahren immer wieder zu Engpässen. Fällt eine dieser Quellen aus, müssen die unter Umständen lebenswichtigen Untersuchungen verschoben werden. Aufgrund der kurzen Halbwertszeiten von nur 66 Stunden kann Molybdän-99 nicht auf Vorrat produziert werden, sondern nur unmittelbar vor der Untersuchung.

Betrieb parallel zur wissenschaftlichen Nutzung der Neutronenquelle

Derzeit wird die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) der Technischen Universität München in Garching umgerüstet, um zukünftig Europa mit dem wichtigen Diagnosemittel für Herzfunktion, Schilddrüse oder Krebserkrankungen zu versorgen.

Die Konzeption und der Bau der Anlage sind so realisiert, dass ihr Betrieb parallel zur wissenschaftlichen Nutzung der Neutronenquelle möglich ist. Ziel weiterer Forschungsarbeiten ist es, im Vergleich zu bestehenden Produktionsmöglichkeiten eine deutlich höhere spezifische Aktivität zu erzeugen. Hierzu gehören die sichere Kühlung des Bestrahlungsguts in einer Position höchsten Neutronenflusses, aber auch effizientere Verpackungsverfahren, um das kurzlebige Isotop zügig von der Neutronenquelle zur weiteren radiopharmazeutischen Verarbeitung ausliefern zu können.

Wesentlicher Beitrag des FRM II zur Versorgungssicherheit Mo-99/Tc-99m als wichtigstes Radioisotop in der Diagnostik © Reiner Müller/ FRM II

Wichtiger Schritt für europäische Versorgungssicherheit mit medizinischen Isotopen

Jan van den Heuvel, stellvertretender Generaldirektor für medizinische Radioisotope im niederländischen Gesundheitsminsterium, begrüßt die Genehmigung der Bestrahlungsanlage zur Produktion von Molybdän-99 am FRM II: "Die Gewährleistung der Versorgungssicherheit mit medizinischen Radioisotopen in der Europäischen Union (EU) ist für die europäischen Patienten von größter Bedeutung, um Krankheiten wie Krebs zu bekämpfen. Wir beglückwünschen Deutschland und den FRM II zu diesem Schritt, der Europa bei der Gewährleistung der Versorgungssicherheit innerhalb seiner alternden Produktionsinfrastruktur einen Schritt nach vorne bringt. Ohne Initiativen wie diese kann der Zugang der europäischen Patienten zu lebenswichtigen Behandlungen nicht gewährleistet werden."

Herstellung eines wichtigen Krebs-Diagnosemittels an der Forschungs-Neutronenquelle

Mit einer geplanten wöchentlichen Produktion von ca. 16.000 Curie (Ci) Mo-99-Aktivität – diese Angabe bezieht sich auf die Aktivität unmittelbar nach Bestrahlungsende – kann der FRM II zukünftig einen bedeutenden Teil des europäischen Bedarfs decken. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme der Anlage sind für die nächsten Jahre geplant.