Materialforschung für mehr Recycling: EU-Projekt ReMade@ARI startet

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Gemeinsam mit mehr als 50 Forschungsinfrastrukturen beteiligt sich das Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) am EU-Projekt ReMade@ARI, das am 1. September 2022 anläuft. Ziel des mit 13,8 Millionen Euro geförderten Projekts ist es, neue Materialien zu entwickeln, die wettbewerbsfähig und in hohem Maße recycelbar sind.

Materialforschung für eine verbesserte Kleislaufwirtschaft an der Kleinwinkelstreuanlage (KWS-3) am Heinz Maier-Leibnitz Zentrum. © FRM II/ TUM

Nach Einschätzung des „Circular Economy Action Plan” (Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft) der Europäischen Union werden bis zu 80 Prozent der späteren Umweltauswirkungen eines Produkts bereits in der Entwurfsphase erfasst. Das lineare Herstellungsmuster bietet aber wenig Anreize, um Produkte nachhaltiger zu gestalten.

Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit

Das Forschungsinfrastrukturprojekt ReMade@ARI, das sich mit innovativen Materialien in verschiedensten Bereichen, wie Elektronik, Verpackung oder Textilien, beschäftigt, will dies ändern: Das Ziel ist, neue Materialien mit hoher Recyclingfähigkeit bei gleichzeitiger Wettbewerbsfähigkeit zu entwickeln. Dafür wollen die beteiligten Einrichtungen unter Koordination des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) das Potential von mehr als 50 analytischen Forschungsinfrastrukturen, darunter auch das Heinz Maier-Leibnitz Zentrum, in ganz Europa nutzen.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Supermärkte bieten verschiedene Obst- und Gemüsesorten in Folie umwickelt an, um ihre Haltbarkeit zu verlängern. Künftig könnten biobasierte Materialien, die aus Holz gewonnen werden, eine nachhaltige Alternative darstellen. Hier setzt ReMade@ARI (Analytical Research Infrastructures) an: Aus den vorhandenen Forschungsinfrastrukturen wird die ausgewählt, an der die erforderliche Forschung am besten realisiert werden kann.

Neutronen helfen bei der Entwicklung neuer Materialien

Das europaweite Netzwerk ReMade@ARI wird der Ansprechpartner für alle Branchen und Forschungsbereiche, in denen neue Produkte im Sinne der Kreislaufwirtschaft entwickelt werden. „Wir stellen Forschenden, die sich mit der Entwicklung wiederverwertbarer Materialien beschäftigen, Analyseinstrumente zur Verfügung, um die Zusammensetzung und Struktur der Materialien in hohem Detaillierungsgrad bis zu atomarer Auflösung zu untersuchen. Dafür werden verschiedenste Analysemethoden unter Nutzung von Photonen, Elektronen, Neutronen, Ionen, Positronen und stärkster Magnetfelder in geeigneter Kombination zum Einsatz kommen“, sagt Dr. Stefan Facsko, der wissenschaftliche Koordinator des Projektes. „Jeder aus der Wissenschaft aber auch aus der Industrie, der ein neues, wiederverwertbares Material entwickeln möchte, kann an uns herantreten.“

Optimale Forschung ermöglichen

Angesprochen werden sollen dabei insbesondere die Wissenschaftler:innen in jenen Forschungsbereichen, in denen das volle Potential der Forschungsinfrastrukturen bislang noch nicht ausgeschöpft wird. „Ihnen bieten wir einen Rundum-Service und prüfen gemeinsam, welche Fragen geklärt und welche Eigenschaften untersucht werden müssen, um für jeden Zweck das optimale Material zu entwickeln. In einem nächsten Schritt entscheiden wir, an welcher der einzigartigen europäischen Forschungsinfrastrukturen diese Eigenschaften gemessen werden können.“

Ausweitung der Kreislaufwirtschaft

ReMade@ARI ist dabei eine Art Drehscheibe für die Materialforschung, die einen substanziellen Einfluss auf die Ausweitung der Kreislaufwirtschaft haben wird. Insgesamt sind 40 Partner des ARIE-Netzwerks aller analytischer Forschungsinfrastrukturen in Europa an dem Projekt beteiligt.

Dr. Barbara Schramm, EU-Referentin am HZDR, hat den Antrag zu ReMade@ARI koordiniert: „Das Projekt wird mit einem Pool hoch motivierter junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Nutzerservice von beispielloser Qualität realisieren, der es ermöglichet, jede vielversprechende Idee zum Erfolg zu führen. Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Unterstützung von Ideen aus der Industrie.“

Originaltext: Kim-Astrid Magister, HZDR

Kontakt:
Dr. Stefan Facsko I Leitung
Ionenstrahlzentrum am HZDR
Tel.: +49 351 260 2987 I E-Mail: s.facsko@hzdr.de

Dr. Barbara Schramm I Leitung
Abteilung Programmplanung und Internationale Projekte am HZDR
Tel.: +49 351 260 2684 I E-Mail: b.schramm@hzdr.de

Medienkontakt:
Simon Schmitt | Leitung und Pressesprecher
Abteilung Kommunikation und Medien am HZDR
Tel.: +49 351 260 3400 | E-Mail: s.schmitt@hzdr.de

Beteiligte Institute:
• Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf
• Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universitat Bonn
• Lunds Universitet
• Consorcio Para La Construccion Equipamiento Y Explotacion Del Laboratorio De Luz Sincrotron
• Teknologisk Institut
• Laserlab-Europe Aisbl
• Consorcio Para El Diseno, Construccion, Equipamiento Y Explotacion Del Centro De Laseres Pulsados Ultracortos Ultraintensos
• Fundacio Institut De Ciencies Fotoniques
• Stichting Vu
• Institut Za Fiziku
• Politecnico Di Milano
• Agenzia Nazionale Per Le Nuove Tecnologie, L’energia E Lo Sviluppo Economico Sostenibile
• Forschungsverbund Berlin Ev
• Synchrotron Soleil Societe Civile
• Fyzikalni Ustav Av Cr V.V.I
• Universidade De Coimbra
• Institut Max Von Laue – Paul Langevin
• Ustav Fyzikalni Chemie J. Heyrovskeho Av Cr, V. V. I.
• Ustav Jaderne Fyziky Av Cr
• Deutsches Elektronen-Synchrotron Desy
• Elettra – Sincrotrone Trieste Scpa
• Interuniversitair Micro-Electronica Centrum
• Idryma Technologias Kai Erevnas
• European Synchrotron Radiation Facility
• Universidad Autonoma De Madrid
• Central European Research Infrastructure Consortium European Research Infrastructure Consortium
• Forschungszentrum Jülich Gmbh
• Helmholtz-Zentrum Berlin Für Materialien Und Energie Gmbh
• Helmholtz-Zentrum Hereon Gmbh
• Stichting Radboud Universiteit
• Energiatudomanyi Kutatokozpont
• Technische Universität München
• Universität Wien
• Universidad De Sevilla
• Ruder Boskovic Institute
• Uppsala Universitet
• Instituto Superior Tecnico
• Centre National De La Recherche Scientifique Cnrs
• Fundacio Institut Catala De Nanociencia I Nanotecnologia
• Katholieke Universiteit Leuven
• Institut Jozef Stefan
• Consiglio Nazionale Delle Ricerche
• Istituto Nazionale Di Fisica Nucleare
• Jyvaskylan Yliopisto
• Paul Scherrer Institut
• Eidgenoessische Technische Hochschule Zürich
• United Kingdom Research And Innovation