Erschaffer von fünf Instrumenten: MLZ-Preis für Peter Böni

Quasi über den Zaun hat das Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) den diesjährigen Preis für Instrumentierung und wissenschaftliche Nutzung überreicht. Der Preisträger, Prof. Dr. Peter Böni vom Physik-Department der Technischen Universität München (TUM), hat fünf wissenschaftliche Instrumente am FRM II und MLZ aufgebaut.

Das aus dem vollen gefräste Modell des FRM II und Atom-Ei überreichte Prof. Dr. Peter Müller-Buschbaum (l.), Wissenschaftlicher Direktor des FRM II und am MLZ, an Prof. Dr. Peter Böni. © Reiner Müller / FRM II, TUM
Das Dreiachsenspektrometer MIRA, hier mit Instrumentwissenschaflter Dr. Jianhui Xu, ist eines von fünf Instrumenten, das unter der Ägide von Peter Böni entwickelt und betreut wurde. © Jan Greune, MCQST

 

In seiner Laudatio begründete der Wissenschaftliche Direktor des MLZ, Prof. Dr. Martin Müller vom Helmholtz-Zentrum Hereon, die Ehrung Peter Bönis: „Sie haben in den 20 Jahren als Professor an der TUM die Instrumentierung des FRM II ganz wesentlich vorangetrieben.“ Zum ersten Mal hörte Martin Müller von Peter Böni, als der langjährige Wissenschaftliche Direktor des FRM II und am MLZ, Winfried Petry, begeistert über dessen Rekrutierung sprach: „Nach seinen Worten damals eine ideale Besetzung. Heute sieht man: Das stimmte genau!“

Instrumentenbauer und Neutronennutzer

Als Peter Böni 2001 vom Paul-Scherrer-Institut in der Schweiz dem Ruf an die TUM folgte, konzipierte, baute und betreute sein Lehrstuhl für Neutronenstreuung E21 gleich fünf Instrumente am FRM II und MLZ:

  • das Kalte Dreiachsenspektrometer MIRA,
  • die Radiografie- und Tomografieanlage mit kalten Neutronen ANTARES,
  • die Positronenquelle NEPOMUC,
  • das Resonanz-Spin-Echo-Spektrometer RESEDA
  • und gemeinsam mit der Universität zu Köln das erst kürzlich in Betrieb genommene kalte Dreiachsenspektrometer KOMPASS.

Martin Müller erinnerte in seiner Laudatio daran, dass Peter Böni und sein Lehrstuhl regelmäßig auch als Nutzerinnen und Nutzer der Neutronenstrahlen auftreten. So brachte 2009 ein Doktorand seiner Gruppe, Dr. Sebastian Mühlbauer, mit Hilfe der Neutronenmessungen am Instrument MIRA den ersten experimentellen Nachweis für die magnetischen Wirbel namens Skyrmionen. Ein ganzes Forschungsgebiet hat sich daraus entwickelt. Zusätzlich ist Peter Böni Gründungsmitglied, Aufsichtsratsvorsitzender und CEO der Firma SwissNeutronics AG.

Symbiose von intensiver Neutronenquelle und exzellenten Studenten

Er habe die direkte Nachbarschaft zur Forschungs-Neutronenquelle immer als sehr fruchtbar empfunden, sagte Böni in seiner Dankesrede. „Ein Geheimnis dieser tollen Zusammenarbeit zwischen Uni und Neutronenquelle sind die Studierenden der TUM. Hier in Garching treffen eine der weltweit intensivsten Neutronenquellen und eine Campusatmosphäre mit exzellenten und sehr motivierten Studierenden aufeinander. Diese einmalige Symbiose hat viele neuartige instrumentelle und wissenschaftliche Entwicklungen am MLZ möglich gemacht“, sagte der 66-Jährige anlässlich der Verleihung des Preises am 23. September 2021. „Ich war zwar auf der anderen Seite des Zauns, hatte aber immer Zugang zum Käfig“, so Peter Böni in Anspielung auf die Einzäunung des FRM II-Geländes direkt neben dem Physik-Department.

Seit dem Frühjahr ist Peter Böni nun im Ruhestand oder wie er selbst es nennt, seinem „zweiten Leben“. Er habe nun noch mehr Zeit für seine Doktoranden und widme sich neuen Ideen, vor allem in der Neutronenoptik, sagte er. Und da hofft er noch einiges zu entwickeln: bessere Neutronenoptik, die die Brillanz der Neutronenstrahlen noch steigern und gleichzeitig die Untergrundstrahlung reduzieren.

 

Mehr Informationen:

Der Preis für Instrumentierung und wissenschaftliche Nutzung des Heinz Maier-Leibnitz Zentrums wird seit 2019 verliehen. Vor Peter Böni erhielten ihn Georg Roth von der RWTH Aachen und Götz Eckold von der Universität Göttingen.